Die „Airbus-2-K-Anlagenfamilie“ bekam Zuwachs.

Bericht MO Airbus Sept 2005

Das ostwestfälische Unternehmen L&S Oberflächentechnik aus Schloß Holte-Stukenbrock, seit 1985 kompetent und innovativ im Bereich der Oberflächentechnik tätig, konnte erneut ein Projekt der besonderen Art realisieren. Eine komplette Zweikomponenten Anlage mit Farbversorgung und Aufrührstationen zur Beschichtung von Flugzeugkomponenten der Firma „Airbus-Industries“. Es ist seit 2000 bereits die dreizehnte 2-K-Anlage für Airbus in Nordenham.

Das Herz einer jeden Zweikomponenten Anlage ist die Dosiereinheit. Für die Firma Airbus wurde eine leistungsstarke, elektronische Dosiereinrichtung für 2-Komponenten-Materialien mit präziser Materialmischung und automatischer Abschaltung bei falschem Mischungsverhältnis und Überschreiten der einstellbaren Toleranzwerte ( bis zu +/- 1% ) ausgewählt.

Die Dosiereinrichtung ist ein eigensicheres Gerät mit hoher Mischgenauigkeit.

Die Volumenmessungen können über Zahnradmesszellen oder im Coriolisverfahren erfolgen.

Die Programmierung erfolgt über ein menügeführtes Display.

Die während des Arbeitsprozesses notwendigen Einstellungen können über ein separates, in Reichweite des Lackierers installiertes Display per Fernbedienung vorgenommen werden.

Die Dosier-Einheit ist ebenso für Wasserlack wie auch für Lösemittellack geeignet. Es können mehrere Farben, Härter und Lösemittel verwaltet werden.

Die Materialzufuhr , sowie der Materialdruck wird über separate Pumpen erzeugt.

Im Fall Airbus erfolgt die Volumenmessung über Volumenzähler zum Erfassen der Durchflußmengen der A und B Komponenten.

Weiterhin wurden, um unbemerkte Fehlvermischungen zu vermeiden, mehrere ex-geschützte PE-Wandler in der Anlage integriert.

Die Farbversorgung wurde durch den Einsatz von L&S-Faltenbalgpumpen mit der modernsten Technik ausgestattet. Diese Pumpen sind wartungsfrei, leckagesicher und haben eine zweijährige Garantie auch auf Verschleißteile.

Komplettiert wird die Farbversorgung durch automatische Pumpenheber ür 200 Liter Fässer mit ex-geschützten elektrischen Rührwerken und Spritzschutzverkleidungen.

Die komplette Anlage wurde in optisch angepassten Einhausungen mit Schiebeüren untergebracht. Auf einer Länge von ca. 7 Metern bei einer Höhe von ca.3 Metern und einer Bautiefe von 1,2 Metern finden 5 Förderpumpen mit Hebern und zwei Dosiereinheiten ihren Platz.

Um den Anforderungen des Wasser-Haushalts-Gesetzes zu entsprechen, wurden alle relevanten Bereiche mit nach WHG abgenommenen Edelstahl Auffangwannen ausgestattet. Auch den Transport der 200 Liter Fässer konnte L&S-OFT nach WHG sicherstellen. Hierzu wurden sieben spezielle Transportwagen mit entsprechenden Auffang- und Sicherungsvorrichtungen geliefert. Um einer späteren Umstellung auf Wasserlacke gewappnet zu sein, wurden alle materialbeührenden Teile der Anlage in Edelstahl oder entsprechenden Kunststoffen ausgelegt. Der dazu ebenfalls notwendige höhere Spülaufwand kann über eine SPS S7 Steuerung verwaltet werden und ist in der Anlage integriert. Gemäß den Qualitätsnormen von Airbus-Industries sowie den ATEX-Richtlinien und den Auflagen des TÜV wird, seit der ersten Anlagenlieferung im Jahr 2000, nunmehr auch mit dem jüngsten Sproß der „Airbus 2-K-Anlagenfamilie“ seit Januar 2005 erfolgreich lackiert.

2-K-Anlage in der Montage

2-K-Anlage in der Montage beim Hersteller. Eine vergleichbare Anlage wird bei Airbus in Nordenham eingesetzt.

Extreme Anforderungen

Interview mit Gerhard Pelzl, Sept 2005 Fachzeitschrift MO

Gerhard PelzlDie Firma L&S Oberflächentechnik ist seit geraumer Zeit Zulieferer der Luftfahrtindustrie für den Bereich Lackieranlagen. Das jüngste Projekt, eine komplette Zweikomponenten Anlage, konnte im Januar 2005 am Airbus Standort Nordenham in Betrieb genommen werden. Die Zeitschrift MO traf sich zu einem Interview mit dem technischen Geschäftsführer der Firma L&S Oberflächentechnik, Gerhard Pelzl.

MO: Herr Pelzl, das Unternehmen Airbus ist eines der weltweit bekanntesten Unternehmen unserer Zeit. Im Bereich der Luftfahrt sogar die Nr. 1. Was empfindet man, wenn man zum direkten Kreis der Zulieferer gehören darf ?

G.P.: Wenn Sie mich so fragen, natürlich Stolz. Stolz, die extrem hohen Anforderungen des Marktes und speziell von Airbus erfüllen zu können.

MO: Hr. Pelzl, Sie erwähnen die hohen Anforderungen seitens Airbus. Können Sie uns und unseren Lesern einen kurzen Überblick über die gestellten Anforderungen verschaffen ?

G.P.: Aber gerne. Die in diesem Fall zu beschichtenden Werkstücke sind sowohl Strukturelemente für den Innenbereich wie auch Komponenten z.B. der Tragflächen. Verarbeitet werden sollte aktuell ein 2-K-Lösemittellack mit der Option zu einem späteren Zeitpunkt auch Wasserlacke einsetzen zu können. Um einen absolut reproduzierbaren Lackierprozess zu gewährleisten, war eine High-Tech 2-K-Anlage gefordert. Eine Mischtechnik, die alle Fehlerquellen ausschließt, alle behördlich vorgeschriebenen Anforderungen mehr als erfüllt und gleichzeitig größtmögliche Flexibilität erlaubt. Zugeschnitten auf die innerbetrieblichen Gegebenheiten und die internen Airbus Normen.

MO: Wie sieht die Anlage aus ?

G.P.: Im wesentlichen haben wir eine Aufrührstation, eine Farbversorgung, das Herz, die Mischanlage und natürlich die entsprechende Applikationstechnik geliefert.

MO: Also eigentlich eine normale 2-K-Lackieranlage ?

G.P.: Eigentlich ja, aber die Kunst liegt im Detail.

MO: Was meinen Sie damit genau ?

G.P.: Wie ich schon sagte, die hohen Anforderungen der Luftfahrtindustrie erfordern besondere Maßnahmen.

MO: Was muss man sich darunter vorstellen?

G.P.: Die Luftfahrtindustrie unterliegt extremer Beobachtung seitens der Behörden und der Öffentlichkeit. Das heißt, alles muss 150%ig genau stimmen und abgesichert sein. Angefangen mit der Dosiergenauigkeit, über die Vermeidung von Fehllackierungen bis zum Handling der Farbgebinde beim Transport oder Befüllen der Anlage muß alles abgesichert und reproduzierbar kontrolliert werden können.

(Weitere Details hierzu im folgenden Bericht . die Red.)

MO: Herr Pelzl, das Ganze klingt nach viel Entwicklungsarbeit. Leisten Sie diese Entwicklungsarbeit allein ?

G.P.: Zum großen Teil ja. Aber letztendlich geht es nur gemeinsam. Damit meine ich, den Betreiber, den Lackhersteller und uns, den Anlagenbauer. Aber auch externe Kapazitäten, wie z.B. das Fraunhofer Institut in Stuttgart tragen ihren Teil dazu bei.

MO: Interessant. Das Fraunhofer Institut steht für praxisbezogene Grundlagenforschung !?

G.P.: Richtig. Um es mal deutlich zu sagen, mit gutem Erfolg durch kompetente Mitarbeiter.

MO: Was läuft da im Moment ?

G.P.: Lassen Sie sich überraschen. Im Prinzip nur soviel, das wir zusammenarbeiten um jeden Prozeßablauf ständig zu optimieren. Dies kann sich manchmal über Jahre hinziehen, da die Genehmigungs- und Zulassungsverfahren bei Airbus für neue Lacke oder Verfahrenstechniken mit extrem aufwendigen Testläufen und Prüfungen verbunden sind.

MO: Herr Pelzl, vielen Dank für das Gespräch.